Strommarktkommunikation · MaBiS · BKV Rolle

MaBiS, MaLos und Prognose im reinen Wholesale BKV Modell

Strukturierte Einordnung der Aufgaben eines Bilanzkreisverantwortlichen, wenn fremde Lieferanten Marktlokationen bilanziell einem Bilanzkreis zuordnen.

Nur Strom Keine GPKE Abwicklung Reine BKV Perspektive Wholesale Modell

Für einen reinen Wholesale BKV sind MaLos nicht das operative Führungsobjekt. Sie sind jedoch eine bilanzierungsrelevante Grundlage, wenn ein fremder Lieferant seine Marktlokationen einem Bilanzkreis zuordnet.

Abgrenzung: GPKE regelt die MaLo Anmeldung, Abmeldung und Lieferantenprozesse durch den Lieferanten. MaBiS regelt die bilanzierungsrelevante Zuordnung, Aggregation, Prüfung, Abrechnung und das Clearing der Mengen auf Bilanzkreisebene.

1. Zielmodell

Das betrachtete Modell ist kein Lieferantenmodell. Der Bilanzkreisverantwortliche übernimmt keine GPKE Lieferantenwechselprozesse und keine operative Verwaltung einzelner Marktlokationen.

Ein externer Lieferant beliefert die Marktlokationen. Diese Marktlokationen können bilanziell einem vom BKV verantworteten Bilanzkreis zugeordnet werden.

2. Relevanz der MaLos

MaLos sind für den BKV vor allem indirekt relevant. Die operative MaLo Führung liegt beim Lieferanten, beim Netzbetreiber und beim Messstellenbetreiber.

Für den BKV relevant ist die daraus entstehende aggregierte Energiemenge im Bilanzkreis.

3. Wo MaLos im MaBiS Kontext relevant werden

Direkte Relevanz

Die direkte Relevanz ist gering. Der BKV führt typischerweise keine einzelne MaLo wie ein Lieferant. Er übernimmt keine Anmeldung, keine Abmeldung, keinen Lieferantenwechsel und keine Endkundenstammdatenpflege.

Indirekte Relevanz

Die indirekte Relevanz ist hoch, wenn die Energiemengen aus fremdbelieferten MaLos in einem vom BKV verantworteten Bilanzkreis aggregiert und abgerechnet werden.

4. Grundlogik der bilanziellen Zuordnung

EbeneBedeutungRelevanz für den BKV
MarktlokationVerbrauchs oder Einspeisestelle im MarktmodellIndirekte Grundlage der Mengenaggregation
LieferantMarktrolle mit Kunden und GPKE ProzessverantwortungBenennt den Bilanzkreis im Lieferantenprozess
BilanzkreisBilanzielle Sammelstruktur für Einspeisungen, Entnahmen und FahrpläneZentrales Verantwortungsobjekt des BKV
SummenzeitreiheAggregierte Energiemenge je ViertelstundeGrundlage für Prüfung, Clearing und Abrechnung
AusgleichsenergieWirtschaftlicher Ausgleich von BilanzkreisabweichungenFinanzielles Risiko des BKV

5. Rolle der Zuordnungsermächtigung

Die Zuordnungsermächtigung ist die BKV seitige Freigabe, dass ein bestimmter Lieferant einen bestimmten Bilanzkreis für definierte bilanzierungsrelevante Zuordnungen nutzen darf.

Wichtige Abgrenzung: Die Zuordnungsermächtigung ist kein Lieferantenwechselprozess. Sie ersetzt keine GPKE Abwicklung und führt nicht zu einer operativen MaLo Verwaltung durch den BKV.

Sie dient als Prüfgrundlage, damit der Netzbetreiber bewerten kann, ob der Lieferant Marktlokationen bilanziell dem genannten Bilanzkreis zuordnen darf.

6. Prozesslogik im Wholesale BKV Modell

Zuordnungsermächtigung durch den BKVDer BKV erlaubt die Nutzung seines Bilanzkreises durch einen definierten Lieferanten für definierte Zuordnungen.
GPKE Prozess durch den LieferantenDer Lieferant meldet die Marktlokationen beim Netzbetreiber an und benennt den Bilanzkreis.
Prüfung durch den NetzbetreiberDer Netzbetreiber prüft Lieferantenanmeldung und Bilanzkreiszuordnung, unter anderem anhand der Ermächtigung.
Aggregation der EnergiemengenDie Mengen aus den Marktlokationen werden zu bilanzierungsrelevanten Summenzeitreihen verdichtet.
Empfang der BilanzkreissummenzeitreiheDer BKV erhält die Zeitreihe auf Bilanzkreisebene.
Prüfung, Clearing und AbrechnungDer BKV prüft die Daten, sendet Prüfmitteilungen und trägt die wirtschaftliche Verantwortung für Bilanzkreisabweichungen.

7. Aufgaben des BKV in MaBiS

AufgabeBeschreibungZiel
ZuordnungsermächtigungAktivierung und Deaktivierung der Nutzung eines Bilanzkreises durch LieferantenKontrollierte bilanzielle Nutzung des Bilanzkreises
BilanzkreiszuordnungslisteEmpfang, Prüfung und Nachverfolgung der Zuordnung von Lieferantensummen zu BilanzkreisenTransparenz über relevante Mengenquellen
BilanzkreissummenzeitreiheEmpfang und Verarbeitung der aggregierten ViertelstundenwerteGrundlage für Bilanzierung und Abrechnung
PrüfmitteilungenPositive oder negative Rückmeldung zur BilanzkreissummenzeitreiheFormale MaBiS Prüfung und Clearingfähigkeit
Datenstatus und VersionierungUnterscheidung zwischen vorläufigen, geprüften, abgerechneten und korrigierten DatenständenNachvollziehbarkeit und Auditfähigkeit
ClearingKlärung von Abweichungen mit Netzbetreiber, BIKO, ÜNB, Lieferant oder DienstleisterKorrekte Bilanzkreisabrechnung
Ausgleichsenergie ControllingAnalyse und Bewertung von BilanzkreisabweichungenSteuerung des finanziellen Risikos

8. Prognosepflicht des BKV

Ein Bilanzkreisverantwortlicher muss seinen Bilanzkreis operativ und wirtschaftlich so führen, dass Einspeisungen, Entnahmen und Fahrpläne je Viertelstunde möglichst ausgeglichen sind. Dafür ist eine belastbare Mengenprognose erforderlich.

Kernaussage: Die Prognose ist keine GPKE Aufgabe und keine operative MaLo Einzelverwaltung. Sie ist Bestandteil der Bilanzkreisführung und Grundlage für Fahrplanmanagement, Beschaffung, Intraday Optimierung, MaBiS Prüfung und Ausgleichsenergie Controlling.

Was die Prognosepflicht praktisch bedeutet

BereichWarum eine Prognose erforderlich istTypische Umsetzung
Day AheadBeschaffung und Fahrplanmeldung benötigen eine erwartete Entnahme oder Einspeisung je Viertelstunde.Lastprognose, Einspeiseprognose, Wetterdaten, historische Profile, Lieferanteninput
IntradayAbweichungen aus Wetter, Verbrauchsverhalten, Messwertänderungen oder Portfolioveränderungen müssen nachgesteuert werden.Aktualisierte Forecasts, Intraday Handel, Fahrplananpassung
MaBiS PrüfungBilanzkreissummenzeitreihen können nur sinnvoll geprüft werden, wenn ein Erwartungswert vorhanden ist.Abgleich Prognose gegen Summenzeitreihe, Ist Werte und Lieferantenmeldungen
AusgleichsenergiePrognosefehler können zu Bilanzkreisabweichungen und damit zu Kosten oder Erlösen aus Ausgleichsenergie führen.Abweichungsanalyse, PnL Bewertung, Qualitätskennzahlen
RisikomanagementVolatile oder fehlerhafte Prognosen erhöhen Mengenrisiko, Preisrisiko und Liquiditätsbedarf.Limits, Reporting, Szenarien, Eskalationsregeln

Wichtige Abgrenzung: Der BKV muss nicht zwingend jede einzelne MaLo selbst prognostizieren. Die operative Prognose kann durch Lieferant, Prognosedienstleister oder Bilanzkreismanagement Dienstleister erfolgen. Die Verantwortung für eine plausible Bilanzkreisführung bleibt jedoch in der BKV Rolle relevant.

9. Anforderungen an einen Dienstleister

Ein Dienstleister muss nicht zwingend eine vollständige Lieferantenplattform bereitstellen. Für das beschriebene Modell ist eine BKV fähige MaBiS Abwicklung erforderlich.

Erforderliche Fähigkeiten

  • Verwaltung von Bilanzkreisen je Regelzone
  • Verwaltung von Lieferanten, die den Bilanzkreis nutzen dürfen
  • Aktivierung und Deaktivierung von Zuordnungsermächtigungen
  • Empfang und Verarbeitung von Bilanzkreiszuordnungslisten
  • Empfang und Prüfung von Bilanzkreissummenzeitreihen
  • Versand positiver und negativer Prüfmitteilungen
  • Verarbeitung von Datenstatus und Versionen
  • Clearing und Korrekturprozess
  • Ausgleichsenergie Monitoring
  • AS4 und EDIFACT Fähigkeit für MaBiS

Erforderliche Prognosefähigkeiten

  • Bereitstellung oder Verarbeitung von Day Ahead Prognosen je Bilanzkreis
  • Bereitstellung oder Verarbeitung von Intraday Prognosen je Bilanzkreis
  • Abgleich von Prognose, Fahrplan, Ist Werten und Bilanzkreissummenzeitreihe
  • Analyse von Prognosefehlern nach Ursache, Zeitraum, Menge und finanzieller Wirkung
  • Versionierung der Prognosen
  • Schnittstelle zum Lieferanten, sofern dieser MaLo basierte Prognosen liefert

10. Aufgabenabgrenzung nach Marktrolle

MarktrolleAufgabe im Modell
LieferantFührt GPKE Prozesse, meldet Marktlokationen an und benennt den Bilanzkreis.
BKVErlaubt die Nutzung des Bilanzkreises, führt Bilanzkreisprüfung durch, verantwortet Bilanzkreisabweichungen und benötigt belastbare Prognosen.
NetzbetreiberPrüft Zuordnungen, verarbeitet bilanzierungsrelevante Daten und stellt relevante Zeitreihen bereit.
BIKOKoordiniert bilanzierungsrelevante Daten und Datenstatus.
ÜNBFührt Bilanzkreisabrechnung und Ausgleichsenergieabrechnung durch.
MessstellenbetreiberLiefert Messwerte beziehungsweise Grundlagen für Messwertprozesse.
DienstleisterBildet BKV MaBiS Kommunikation, Prognoseverarbeitung, Monitoring, Clearing und Reporting operativ ab.

11. Was ein reiner Wholesale BKV nicht macht

Nicht Teil der BKV Rolle

  • Kein klassischer Lieferantenwechsel
  • Keine Endkundenanmeldung
  • Keine Endkundenabmeldung
  • Keine Vertragsverwaltung der Endkunden
  • Keine GPKE Prozessführung als Lieferant
  • Keine Netznutzungsabrechnung gegenüber Endkunden
  • Keine operative Pflege einzelner Zähler oder Kundenanlagen

Teil der BKV Rolle

  • Bilanzkreisberechtigung
  • Bilanzkreis Zuordnungsfreigabe
  • Bilanzkreis Mengenprüfung
  • Bilanzkreis Zeitreihenprüfung
  • Prognoseverarbeitung und Prognosekontrolle
  • Fahrplanabgleich
  • Clearing
  • Ausgleichsenergie Controlling
  • Wirtschaftliche Verantwortung für Bilanzkreisabweichungen

12. Beispiel

Ausgangslage: Ein Lieferant beliefert 10.000 Marktlokationen. Diese Marktlokationen sollen bilanziell einem Bilanzkreis zugeordnet werden, der von einem separaten BKV verantwortet wird.

Der BKV prüft in diesem Modell nicht jede einzelne Marktlokation operativ. Maßgeblich ist, ob die aggregierten Mengen aus diesen Zuordnungen zum erwarteten Portfolio, zur Beschaffung, zu den Fahrplänen, zur Bilanzkreissummenzeitreihe und zum Ausgleichsenergierisiko passen.

PrüffrageBedeutung
Ist der Lieferant zur Nutzung des Bilanzkreises berechtigt?Prüfung über Zuordnungsermächtigung und Zuordnungslogik
Passen die erwarteten Mengen zur Prognose?Abgleich gegen Day Ahead und Intraday Forecast
Passen die aggregierten Zeitreihen zur Erwartung?Prüfung der Bilanzkreissummenzeitreihe
Entstehen relevante Abweichungen?Bewertung der Ausgleichsenergie und PnL Wirkung
Ist ein Clearing erforderlich?Klärung bei Netzbetreiber, BIKO, ÜNB, Lieferant oder Dienstleister

13. Formulierung für einen Dienstleister

Das Zielmodell ist kein Lieferantenmodell und umfasst keine GPKE Lieferantenwechselprozesse. Die Rolle ist die eines Bilanzkreisverantwortlichen. Der Lieferant der Marktlokationen ist ein anderer Marktteilnehmer.

Relevanz besteht nicht in der operativen MaLo Verwaltung, sondern in der BKV seitigen MaBiS Kette: Zuordnungsermächtigung gegenüber dem Netzbetreiber, Empfang und Prüfung von Bilanzkreiszuordnungslisten, Empfang und Prüfung von Bilanzkreissummenzeitreihen, Versand von Prüfmitteilungen, Verarbeitung von Datenstatus und Versionen, Clearing sowie wirtschaftliche Bewertung der Bilanzkreisabweichungen.

Zusätzlich ist eine belastbare Prognoselogik erforderlich. Last und Einspeisemengen aus fremdbelieferten Marktlokationen, die dem Bilanzkreis zugeordnet werden, müssen für Day Ahead und Intraday Zwecke prognostiziert, mit Fahrplänen abgeglichen und gegen MaBiS Zeitreihen sowie die Ausgleichsenergieabrechnung plausibilisiert werden können.

Erforderlich ist keine Lieferantenwechselplattform, sondern eine BKV fähige MaBiS Abwicklung mit Prognoseverarbeitung, Fahrplanabgleich, Clearing und Ausgleichsenergie Controlling.

14. Management Zusammenfassung

MaLos sind für einen reinen Wholesale BKV nicht das operative Führungsobjekt. Relevant werden sie, wenn fremde Lieferanten ihre Marktlokationen bilanziell einem Bilanzkreis zuordnen. Dann sind MaBiS Fähigkeiten für Ermächtigung, Zuordnungsprüfung, Summenzeitreihenprüfung, Prüfmitteilung, Prognose, Fahrplanabgleich, Clearing und Ausgleichsenergieverantwortung erforderlich.

Kurzformel: GPKE regelt die MaLo Prozesse des Lieferanten. MaBiS regelt, wie die daraus entstehenden Energiemengen bilanziell im Bilanzkreis aggregiert, geprüft, prognostiziert, abgeglichen und abgerechnet werden.